Predigt am Zweiten Advent

Michael Schwarzkopf // 2015-11-23 // Zurück zu den aktuellen Berichten

Jakobusbrief 5,7-8

Predigt in der Petrikirche am 6.12.2015

Propst Michael Schwarzkopf

So seid nun geduldig, liebe Brüder, bis zum Kommen des Herrn. Siehe, der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde und ist dabei geduldig, bis sie empfange den Frühregen und Spätregen. Seid auch ihr geduldig und stärkt eure Herzen; denn das Kommen des Herrn ist nahe

Liebe Schwestern und Brüder!

Erinnern Sie sich an die Worte der ersten Lesung heute? Richtig! Eine Aufforderung zur Geduld, sie steht im Jakobusbrief. Warum will ich gerade am zweiten Advent darüber predigen? Weil wir Geduld brauchen, bis Weihnachten kommt, würden wohl die Kinder sagen: So lange ist die Zeit des Wartens auf die Geschenke, sie dehnt sich immer länger. Wir Erwachsenen hören viele Erwartungen und Wünsche unserer Kinder. Uns ist die Zeit eigentlich zu kurz, um Weihnachten gut vorzubereiten. Aber Geduld brauchen wir auch - mit den Kindern in der Weihnachtszeit.

Warum noch ist diese Aufforderung aus dem Jakobusbrief heute wichtig? Im Konfirmandenunterricht haben wir darüber gesprochen, dass Luther diesen Brief nicht gern sah und ihn einen Brief aus Stroh genannt hat. Zuviel ist darin von den guten Dingen die Rede, die wir tun sollen, z.B.: Geduld haben. Zu wenig von den Gedanken, die Luther wichtig fand: Gott ist uns nahe allein aus Gnade. Hier können wir als gute Lutheraner nur sagen: Geduld! Gottes Gnade wird immer gute Taten durch uns bewirken. Geduld mit allen Worten der Bibel, die wir nicht verstehen oder die uns nicht gefallen! Sie bleibt dennoch unsre Heilige Schrift - und es kommt der Tag in unserem Leben, wo wir sie verstehen: durch das Bibelseminar, durch die Worte von Freunden, durch den leisen Klang von Gottes Geist in unserer Seele.

Und wenn wir so geduldig sind mit unserem Nachdenken und mit unserem Glauben, dann sind wir auch miteinander geduldig als Christen. Dann lassen wir uns Zeit, über die Situation der lutherischen Kirche als Minderheit nachzudenken, dann bleiben wir freundlich, auch wenn mal etwas nicht verstanden wird, was wir für die Zukunft der Gemeinde brauchen, dann finden wir immer wieder freundliche Worte und Kraft, gemeinsam weiter zu gehen. Und auf diesem gemeinsamen Weg sehen wir dann den Stall von Bethlehem und verstehen: Wo Menschen freundlich, liebevoll miteinander umgehen und den gemeinsamen Weg suchen, da ist Gott schon bei uns:

Seid auch ihr geduldig und stärkt eure Herzen; denn das Kommen des Herrn ist nahe Долготерпите и вы, укрепите сердца ваши, потому что пришествие Господне приближается. Das sagt ja der Jakobusbrief – Gott ist nahe. Im Advent feiern wir Gottes Nähe. Im Advent sind wir gemeinsam unterwegs zum Kind in der Krippe. Im Advent erwarten wir das Kommen Gottes. Das zweite Kommen Gottes, wenn die Ankunft von Jesus als Kind in Bethlehem das erste war. Aber im Jakobusbrief steht es – Gott kommt auf uns zu, aber er lässt uns Zeit. Theologisch lässt sich das alles in klassische Formeln packen, aber das ist nicht das Entscheidende – entscheidend ist das Herz: stärkt eure Herzen укрепите сердца ваши – das tun wir, wenn wir einander Zeit, Aufmerksamkeit, Freundlichkeit schenken. Und dann erfahren wir das Kommen Gottes – das zweite, das dritte, so oft wir es brauchen – direkt in unser Herz. Amen.