Predigt zum 19. Sonntag nach Trinitatis

Michael Schwarzkopf // 2015-10-20 // Zurück zu den aktuellen Berichten

Markusevangelium, 2. Kapitel

19. Sonntag nach Trinitatis

Predigt in der Petrikirche am 11.10.2015

Propst Michael Schwarzkopf

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Wir haben heute eine ganz wunderbare Geschichte gehört. Die Geschichte von der Heilung des Gelähmten. Das Wunder steht in der Geschichte aus dem Markusevangelium gleich am Anfang: Jesus ist in Kapernaum, der kleinen Stadt am See Genezareth, und als die Menschen das hören kommen sie zu ihm: "Viele versammelten sich, so dass auch an der Tür kein Platz mehr war, und er sagte ihnen das Wort". Einfach: das Wort. Das wunderbare, leise Wort Gottes, das einst die Welt erschuf. Viele wollen es hören, um sich in dieser Welt neu zu finden, um nicht zu verzagen, um Kraft für ihr Leben zu bekommen. Er sagte ihnen das Wort - einfach wunderbar, wunderbar einfach. Was dann geschieht, können wir als die Wirkung dieses Wortes verstehen, das Leben schafft:

 Vier Menschen bringen einen Gelähmten. Sie können nicht mehr durch die Tür ins Haus, also öffnen sie das Dach und lassen den Gelähmten auf seiner Trage durch das Loch im Dach vor Jesus hinab. Jesus sieht ihren Glauben. Den Glauben der Menschen, die einen Kranken tragen. Jesus sagt mit Blick auf ihren Glauben: Sohn, deine Sünden sind dir vergeben! Erstaunliche Worte, unerwartete! Haben sie den Kranken etwa dafür gebracht, dass Jesus seine Sünden vergibt?

 Interessanterweise denken die Menschen in unserer Geschichte überhaupt nicht so. Eine ganz andere Frage bewegt sie: Kann jemand anderes als Gott Sünden vergeben? Also sehen sie die Vergebung der Sünden für den Gelähmten als eine große, wichtige Angelegenheit - sie zweifeln nur daran, dass Jesus das kann.

Gerade dieses will Jesus mit der Heilung des Gelähmten zeigen. Was ist leichter - zu vergeben oder zu heilen? Bei Jesus gehört das zusammen - Sünden vergeben und uns heilen, für unsere Seelen zu sorgen und für das ganze Leben. Er zeigte uns, dass die Fragen des Glaubens, die Vergebung der Sünden, nicht von der Frage zu trennen sind, wie Menschen miteinander umgehen.

Denn Jesus sagte ihnen das Wort des Lebens. Wer es hört, mitten im Lärm der Stadt, unter den vielen Menschen mit ihren oft zu vielen Worten, kann verstehen: Ich bin in Gottes Nähe - Sünde, meine Fehler und meine Verletzungen können mich nicht mehr lähmen.

Ich bin von Gott geschaffen, und in seiner Kraft kann ich aufstehen, alle Hilfskonstruktionen von Ideologie und Religion wegnehmen, wie der Gelähmte seine Trage aufhob und gehen wie er - in die wunderbare Freiheit des Glaubens, die Jesus uns durch sein Wort gab.

Er selbst, der allen Gottes Wort in Kapernaum sagt, sieht  in der Hilfe der Vier für den Gelähmten  ein Zeichen des Glaubens. Ganz leicht unterbricht er seine Lehre und hilft dem Kranken. Durch die frische Öffnung im Dach sieht er den Himmel. Ich bitte euch, liebe Schwestern und Brüder, seinem Beispiel zu folgen, den von Krankheit oder Schuld Gelähmten zu helfen, einander Sünden zu vergeben und das Loch im theologischen Dach als Zeichen Gottes zu sehen, dass der Himmel uns umgibt. Amen.