Weihnachtspredigt

Michael Schwarzkopf // 2019-01-03 // Zurück zu den aktuellen Berichten

Joh 1,19-28
Sonntag nach Weihnachten
Predigt in der Petrikirche am 30.12.2018
Propst Michael Schwarzkopf


Liebe Schwestern und Brüder,

am Ende eines Jahres fragen wir uns: Was haben wir getan? Was hat unsere Gemeinde erreicht? Es ist gut, wenn eine christliche Gemeinde sich das ehrlich fragt. Denn wir sollen bereit sein, Zeugnis zu geben von unserer Hoffnung. Andere, die uns hier in der Petrikirche sehen, die erfahren, daß wir Lutheraner sind, fragen: Warum gehst du in diese Kirche? Was bedeutet das für dich? Was bist du - Lutheraner? Diese Fragen hören wir immer wieder.

Es ist ein Zeichen von Interesse, ja Anteilnahme, solche Frage zu stellen. Auch wenn die Pharisäer, die Jesus oft kritisch gegenüberstanden, so gefragt haben, wir können die Frage verstehen: Du taufst, also bist du ein Prophet oder bist du Christus? Johannes, der Täufer, muß antworten - er ist bereit, sich den schwierigen Fragen zu stellen. Er antwortet: Ich taufe mit Wasser, Christus ist aber viel größer als ich.

Das können wir auch sagen: Wir sorgen für unsere Kirche, für unsere Gemeinde, wir bauen, wir reparieren, wir taufen - aber Christus ist viel größer als alles das. Wir wundern uns also nicht, wenn Johannes weiter gefragt wird: Wer bist du denn, wenn du dies alles tust, aber der Sinn von allem liegt nicht bei dir, sondern bei dem Größeren, bei Christus? Johannes antwortet: Ich bin ein Rufender in der Wüste.

Liebe Schwestern und Brüder, das wollen wir auch sein: Rufende in der Wüste: Bereitet Gott den Weg. In der Wüste des Ehrgeizes, der sozialen Kälte, in der Wüste der Eigeninteressen und Egoismen. Wir sind nicht Prophet, nicht Elia, nicht Christus. Aber wir rufen: Bereitet ihm den Weg. Wie Johannes geben wir ein Zeugnis für den, der größer ist als wir.

Das ist ein großes Glück, das macht alles leichter: Wir bauen doch nicht die Kirche, und die Taufe und das Abendmahl haben wir nicht erfunden, auch nicht die Predigt und den Kindergottesdienst.  Er, der größer ist als wir, Christus hat uns das alles geschenkt. Es ist der Sonntag nach Weihnachten, und wir sind immer noch dabei, unsere Geschenke auszupacken. Und wenn man uns fragt: Wer bist du dann? Dann können wir sagen: Wir sind Rufende in der Wüste, wir sind Zeugen Christi, wir sind Beschenkte. Amen.

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