Advent

Michael Schwarzkopf // 2017-12-16 // Zurück zu den aktuellen Berichten

Predigt zu Lukas 1,46-55
Petrikirche, 3. Advent, 17.12.2017, Propst Michael Schwarzkopf


Liebe Schwestern und Brüder,

drei Lichter brennen - und wir loben Gott für das Wunder von Jesu Geburt damals in Bethlehem. Wir loben es mit den Worten Marias, die wir vorhin in der Lesung gehört haben. Meine Seele erhebt den Herrn und mein Geist freut sich über Gott, meinen Heiland. Denn er hat die Armut seiner Magd angesehen.

Maria weiß, dass die Geburt von Jesus bald sein wird - aber wie viel Schwierigkeiten stehen ihr noch bevor; welch weite Wege, welche traurigen Bedingungen im Stall von Bethlehem für die Geburt ihres ersten Kindes! Dennoch lobt sie Gott. Wie kann sie das, mitten in Armut, Dunkelheit, Unsicherheit über den weiteren Weg? Wir können wir das, mitten in der Dunkelheit und Weglosigkeit? Halten wir uns an die Worte von Maria: Gott hat meine Armut angesehen. Gott sieht uns - das gibt Maria Hoffnung, und das kann auch uns Hoffnung machen: Wir sind in schwerer Zeit, unter schwierigen Bedingungen nicht allein. Gott sieht uns an, unsere Probleme, unser Sorgen, unsere Zweifel. Gottes Blick ist nicht der eines unbeteiligten Beobachters. Maria weiß es mitten in ihrer Schwangerschaft - Gott nimmt teil an der Geschichte der Menschen. Das Kind, das geboren wird, zeigt es.

Gottes Blick ist der Blick des Schöpfers. Er sieht uns Menschen so, wie er uns geschaffen hat, mit all den wunderbaren Möglichkeiten, Gutes zu tun, miteinander zu teilen, einander beizustehen - und miteinander Advent und Weihnachten zu feiern. Und das, was er in uns sieht, ist wirklich, denn Gott sieht alles und sagt, wie in der Geschichte von der Schöpfung: Es ist gut.

Es ist gut - trotz aller Probleme? Maria übersetzt es für uns: Es wird gut. Gott stößt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. Den Hungernden gibt er zu essen, und die Reichen gehen leer aus. Maria, die einfache Frau aus dem Volk Israel, sagt uns: Es wird gut. Jesus wird geboren, in Armut und im Stall - aber das will Gott ändern. Das Kind in der Krippe ist ein Zeichen Gottes dafür, dass kein Kind im Stall geboren werden soll. Gott selbst hat unsere Armut gesehen und sich tief in sie hinein gegeben. Als Schöpfer tut er das nicht, um alles einfach so zu lassen, wie es ist. Als unser Vater will er alles neu machen, damit es uns, seinen Kindern gut geht. Besser als dem Kind im Stall.

All das erfahren wir aus dem Lukasevangelium. Lukas, der Evangelist, hat in seinem Buch das Leben Jesu so geschrieben, dass wir verstehen: Die Geschichte von Jesus Christus setzt die Geschichte Gottes mit seinem Volk fort. Sie begann mit Abraham, und sie erreicht ihr Ziel, wenn wir sie hören und weitersagen. Marias Lobpsalm ist für uns gedacht - wir können hören, wie glücklich Menschen sind, die Gottes Wirken erleben. Und wir erleben es wie Maria - was für ein Glück es ist, wenn ein Kind geboren wird, denn ein Kind ist doch die Fortsetzung der Schöpfung in unserer Welt und unserer Zeit. Wir können uns von Marias Glück Mut machen lassen, das Leben immer neu zu wagen, auch wenn wir immer wieder von Problemen und Dunkel umgeben sind.

Maria glaubt es ganz fest: Das Kind Jesus wird Gottes Versprechen erfüllen, das er allen Kindern Abrahams gemacht hat, also allen gläubigen Menschen: Wir sind sein Volk, und Jesus will unter uns Gottes Reich aufrichten, in Gerechtigkeit und Nächstenliebe, wir können es, voller Mut mit Maria, weitersagen und nach Gottes Willen Ja zum Leben sagen, Ja zu unserem Mitmenschen. So will Jesus Gottes Herrschaft aufrichten, in unseren Herzen, in unserer Welt, in der schon drei Kerzen des Adventskranzes leuchten. Amen.

Sternhkl