Der Geist hilft

Michael Schwarzkopf // 2016-09-11 // Zurück zu den aktuellen Berichten

Römerbrief 8,26-39

16. Sonntag nach Trinitatis

Gottesdienst in der Petrikirche am 11.9.2016

Predigt von Propst Michael Schwarzkopf 

Liebe Schwestern und Brüder!

Viele von uns waren in dieser Woche beim wunderbaren Konzert des Dresdner Kreuzchors hier in St. Petersburg. Dort wurde das 8. Kapitel aus dem Römerbrief in der Musik von Bach gesungen: Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf. Der Geist hilft, der Geist hilft, der Geist hilft, lässt Bach immer wiederholen, damit wir es auch wirklich tief und tiefer fühlen, wie sehr uns in unserer Schwachheit geholfen wird.

Worin besteht nun die Schwachheit? Wenn wir den Römerbrief lesen, dann kommen wir schnell auf den Gedanken: Es ist Sünde, die uns schwach macht, zu Sklaven macht. Aber das meint Paulus hier nicht. Es ist sein überraschendes achtes Kapitel, das eine völlig andere Sicht auf den Menschen eröffnet als die vorangehenden sieben.

Und wir erkennen, dass wir eine ganz andere Schwäche haben als die Sünde, von der in den vorangegangenen sieben die Rede war: Wir wissen nicht, was wir beten sollen. Wenn wir das Leid der Menschheit, das Leid, von dem allein unsere Petrikirche zeugt, vor Gott bringen wollen, versagen unsere Worte. Wenn wir die Freude unseres Lebens, unsere Liebe, unsere Kinder und Enkel vor Gott bringen wollen, reichen unsere Worte nicht aus für die Dankbarkeit. Die Eltern und Paten von Stefanie, die wir heute taufen, empfinden das wohl genauso. Das große Glück, das Gott euch geschenkt hat, und durch euch auch unserer Gemeinde, drücken wir durch die Taufe besser aus als durch alle Worte.

 

Wir wissen nicht, was wir beten sollen. Aber der Geist vertritt uns mit unaussprechlichem Seufzen. Wo uns die Worte fehlen, in Glück und Leid, wo uns die Worte nicht reichen, um ein Gebet zu sprechen, weil wir um alles beten und für alles danken müssten, da vertritt Gottes Geist uns und hilft uns, unsere unaussprechlichen Gefühle und Gedanken vor Gott zu bringen. Damit bleiben wir in Gottes Nähe, auch wenn unsere Worte, unsere Bibelkenntnisse, unsere theologischen Konstruktionen nicht ausreichen. Der Geist vertritt uns mit unaussprechlichem Seufzen.  Und unsere Verbindung mit Gott besteht unabhängig von unserer Sprache, unserer Tradition, unserer Herkunft: Wir wissen, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen. Sie, liebe Gäste, mögen das auf Ihrer Russlandreise erlebt haben, wir hier in der Petrikirche erleben es immer aufs Neue: eben heute, wo wir ein Kind taufen, womit die Gemeinde wächst. Oder in diesen Tagen, wo wir die entscheidenden Schritte tun, um eine große Orgel in die Petrikirche zu bringen. Alles dient uns zum Guten, weil wir im Geist mit Gott verbunden sind.

Das klingt möglicherweise zu einfach, das klingt naiv angesichts der komplizierten Situation in der Welt. Aber als Christen können und müssen wir es bei jeder Begegnung neu sagen - Gottes Liebe ist stärker als alles Trennende, sogar stärker als der Tod. Mein Herze geht in Sprüngen und kann nicht traurig sein, singen wir jetzt nach der Predigt. Denn wir wissen: Ist Gott für uns, wer kann gegen uns sein? Wer will uns trennen von der Liebe Christi? Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Gefahr oder Schwert? Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn. Amen.

Geistmusik