Paulus: Die Kraft Gottes

Michael Schwarzkopf // 2016-05-30 // Zurück zu den aktuellen Berichten

Römerbrief des Apostels Paulus 1,7-17

Gottesdienst in der Petrikirche am 29.5.2016
Predigt von Propst Michael Schwarzkopf

Liebe Schwestern und Brüder!

Vor einer Woche haben wieder Tausende Menschen in der Nacht der Museen die Petrikirche besichtigt. „Die Allerersten“, war das Motto jener Nacht. Die Apostel Petrus und Paulus, die vor der Kirche stehen, passen genau zu diesem Motto: Sie waren die Ersten, die das Evangelium ausbreiteten. Was brauchten Sie dafür als Erstes, als Wichtigstes? Paulus schreibt als Erster ein theologisches Buch, eine Glaubenslehre für die Christen: den Römerbrief. Und hierin ist sein Erstes, seine Grundlage für allen Glauben, für alles Leben der Christen: Ich schäme mich nicht für das Evangelium, denn es ist eine Kraft Gottes zur Rettung für jeden, der glaubt.

Eine Kraft, die rettet – die brauchen wir im Leben! Wenn es Probleme in Arbeit oder Familie gibt, wenn Krankheit und Schmerzen uns bedrücken, wenn wir verzagen, weil die Perspektiven für die Zukunft unklar sind, oder auch nur, wenn wir an die Erhaltung der Petrikirche denken. Wenn es Probleme gibt, werden wir viele gute Ratschläge hören, die uns aus der Situation retten sollen. Wer wird vorschlagen: Lies das Evangelium? In der Nacht der Museen haben wir unterschiedliche Reaktionen erlebt auf diesen Vorschlag: Menschen wurden neugierig, nahmen ein Losungsbüchlein mit. Andere lächelten überlegen – sie waren sich ganz sicher, Gottes Wort nicht für ihr Leben zu brauchen. Wieder andere schauten weg, ärgerlich, mit solchen Dummheiten belästigt zu werden.

Paulus hat dies alles auch erlebt, und viel intensiver: Wenn er christliche Gemeinden gründete. Wenn er erklärte, wie Christentum und Judentum zusammengehören: weil die Juden als erste gerettet werden sollten, als erste Gottes Gebote bekamen. Wenn Paulus sagte, dass Gottes Gebot dennoch nicht unsere Probleme löst, sondern erst das Evangelium von Jesus Christus, dann lächelten viele hochmütig oder hörten einfach weg. Leider blieb es nicht dabei: Paulus wurde ins Gefängnis geworfen und als Gefangener nach Rom gebracht.

Aber Paulus war nicht Gefangener der römischen Macht – er war ein Diener Christi: ich bin ein Schuldner der Griechen und der Barbaren, der Klugen und der Ungebildeten. Er stand allen gegenüber in der Schuld, in der Verpflichtung, ihnen von Jesus Christus zu erzählen, der rettet. Das gilt auch für uns: Es ist unsere Pflicht als Christen, dieses Evangelium mit allen zu teilen, mit den Gläubigen ebenso wie mit den Ungläubigen, mit den hochmütig Lächelnden ebenso wie mit den Ärgerlichen. Gewiss: wir haben unsere Kraft wie Paulus aus dem Glauben – deshalb schämen wir uns nicht für unsere ungewöhnliche Botschaft, für das Evangelium, denn es ist eine Kraft Gottes zur Rettung für jeden, der glaubt.

Wenn wir heute gemeinsam Abendmahl feiern, dann erleben wir etwas von dieser Kraft, von der Paulus an die Christen in Rom schrieb: Zuerst danke ich Gott für euch alle, denn euer Glaube ist in der ganzen Welt bekannt. Hat Paulus da übertrieben? Mir würde es schon reichen, wenn der Glaube unserer Gemeinde in ganz Petersburg bekannt würde. Die Nacht der Museen hat sicher dazu beigetragen. Und wenn nur ein Mensch vom Besuch der Petrikirche dazu angeregt wurde, das Evangelium von Jesus Christus zu hören oder zu lesen, dann geschieht, was Paulus erklärt: die Gerechtigkeit Gottes wird aus Glauben offenbart, zum Glauben hin, wie geschrieben steht: Der Gerechte wird aus Glauben leben.

Unser Glaube, mit dem wir frei von aller Furcht das Evangelium verkünden, bewirkt den Glauben vieler Menschen. Aus unserem Glauben entsteht neuer Glaube. Das heilige Abendmahl, die christliche Gemeinschaft in unserer Kirche zeigt: wir können aus dem Glauben leben, in Gottes Gerechtigkeit, die alle Menschen retten will. Amen.

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