Ostern

Michael Schwarzkopf // 2016-04-03 // Zurück zu den aktuellen Berichten

Matthäus 28,1-10

Gottesdienst in der Petrikirche am 27.3.2016

Predigt von Propst Michael Schwarzkopf

Liebe Schwestern und Brüder,

der Herr ist auferstanden! (Er ist wahrhaftig auferstanden!) Was für ein Glück ist es, diese Worte an einem Ostertag zu rufen und zu hören. Es ist wie ein helles Licht, das plötzlich in unserer Stadt, in unserer Kirche, in unseren Herzen aufgeht. Das Matthäusevangelium beschreibt das Licht so: Der Engel Gottes wälzte den Stein vom Grab und setzte sich darauf. Seine Gestalt war hell wie der Blitz und seine Kleidung weiß wie der Schnee.

Haben Sie das schon erlebt? Gottes Engel greift ein - durch ein freundliches Wort eines Kollegen, durch das Lächeln unserer Enkel, durch die Umarmung eines Freundes, durch einen warmen Frühlingshauch in den Straßen von St. Petersburg. Dann kann der Stein unserer Sorgen leichter werden oder ganz weit weg rollen. Und der Engel setzt sich auf ihn, zum Zeichen, dass Gott größer ist als unsere Sorgen, und dass unsere Befürchtungen und Bemühungen ihm bestenfalls eine Unterlage sind, auf der er Platz nimmt und mit seinem Weitblick ganz neue Horizonte eröffnet.

Und der Engel sagte den Frauen: Fürchtet euch nicht. Denn ich weiß, wen ihr sucht. Das kann wohl nur ein Engel wissen, was wir wirklich suchen. Wir suchen einen Partner fürs Leben. Wir suchen einen Ort zum Leben. Wir suchen einen Sinn zum Leben. Vor einer Woche sagte ein Mann nach dem Gottesdienst: Ich suche Gott. Und ich glaube, ich habe ihn hier gefunden. Das alles weiß der Engel, und er sieht es den drei Frauen an - ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. Er ist nicht hier - er ist auferstanden. Noch heute steht das in Stein gehauen über der Grabhöhle in Jerusalem.

Bei unserer Suche finden wir ihn oft nicht - weil wir nicht den Jesus suchen, der auferstanden ist, sondern den toten Jesus, den unsere religiösen Überzeugungen uns vorgeben. So ging es den drei Frauen am Grab: sie suchen den Gekreuzigten. Aber er ist nicht da. Der Herr ist auferstanden! - Er ist wahrhaftig auferstanden. Er hat es selbst gesagt, dass er auferstehen wird. Aber die drei Frauen wussten doch nicht, was damit gemeint ist. Wissen wir es? Was kann Auferstehung für uns bedeuten? Im Matthäusevangelium rät der Engel, nach Galiläa zu gehen - in das Gebiet, aus dem Jesus kam. Dort würden sie ihn sehn. Dort, wo sie so viel Gutes mit ihm erlebten. In der Erinnerung wird er auferstehen, und sie werden daraus Kraft zum Leben schöpfen. Als sie das den Jüngern sagen wollen, begegnet ihnen Jesu selbst und sagt: Freut euch! Er ist mehr als eine Erinnerung - er begegnet überraschend, er gibt ihnen neue Hoffnung auf Zukunft - Osterfreude. Wenn wir heute, nach der Erinnerung an die Begegnung der drei Frauen damals, in diesen Ostersonntag gehen, lasst uns hoffen, ihm zu begegnen. In jedem Lachen am Osterfest ist Jesus überraschend neu anwesend, und jedem Suchenden macht er Mut: Ich weiß, was du suchst. Amen.

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