Predigt am Sonntag Judica

Michael Schwarzkopf // 2016-03-01 // Zurück zu den aktuellen Berichten

Matthäus 20,20-28

Gottesdienst in der Petrikirche am 13.3.2016

Predigt von Propst Michael Schwarzkopf

 

Liebe Schwestern und Brüder,

was tun wir, wenn wir beten? Wir bitten Gott um Hilfe! Wie furchtbar muss für die zwei Jünger die Antwort auf ihr Gebet geklungen haben, die Jesus ihnen gibt: Ihr wisst nicht, worum ihr bittet! Sie wollten doch nur seine Hilfe, um immer in seiner Nähe zu sein. Sie wussten, dass sie in der Gruppe der Jünger wichtig waren, dass sie die Botschaft von Jesus von vielen Menschen verkündet hatten, und nun wollten sie auch die Ehrenplätze neben ihm in Gottes Reich haben.

Wir kennen das - auch uns sind unsere Plätze in der Kirche wichtig, und die ehrenamtliche Arbeit tun Menschen, weil es auch eine Ehre ist, in der Kirche eine wichtige Rolle zu spielen, wenn es auch viel Arbeit macht. Uns trifft die Antwort von Jesus ebenso: Ihr wisst nicht, worum ihr bittet! Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke? Können wir das? Den Kelch des Martyriums - viele unserer Vorfahren mussten ihn trinken. Wie ist das für uns?

Wir hören die Worte Jesu, die er allen Jüngern sagt: Die Fürsten dieser Welt tun den Völkern Gewalt an! So wird es bei euch nicht sein. Jesus ist sich ganz sicher: Gewalt und Macht haben in der christlichen Gemeinde keinen Ort. Sondern: Wer unter euch groß sein will, der soll allen dienen. Märtyrer sein ist also nicht unser Schicksal, zu dem Jesus uns ruft. Er ruft uns in seinen Dienst. Dienst und Hilfe in der Gemeinde, dazu stellen sich heute die Kandidaten für den Kirchenvorstand vor. Es ist gut zu wissen, dass immer wieder Menschen zu diesem Dienst bereit sind. Aber das ist nicht leicht. Woher kommt die Kraft zu diesem Dienst?

Jesus antwortet: Wer unter euch der erste sein will, soll euer Knecht sein. Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen. Der Menschensohn - das ist Jesus. Er diente seinen Mitmenschen in vielfältiger Weise: durch seine Predigt, sein Mitgefühl, seine Heilungen, durch seine Liebe zu den Menschen, die selbst vor dem Tod am Kreuz nicht zurückschreckte. In dieser Liebe trägt er unser Tun, macht uns Mut, für die Mitmenschen dazusein, der christlichen Gemeinde zu dienen. Auch wenn wir nicht den Kelch des Leids trinken müssen, den er trank - Arbeit gibt es genug. Deshalb will ich den Kandidaten für den Kirchenvorstand, allen ehrenamtlichen Mitarbeitern, überhaupt allen Menschen in unserer Gemeinde empfehlen, sich auf unseren Herrn zu verlassen, der seine Kraft zu allem Dienst gibt. Er hat uns zuerst gedient, und unser Dienst, alle Arbeit in der Kirche, baut auf seinem Dienst auf.

Ihr wisst nicht, worum ihr bittet! Doch, wir wissen es: wir bitten nicht um Ehre, nicht um einen besonderen Platz in der Gemeinde - wir bitten nur um Kraft für unseren Dienst. Dazu helfe uns Gott. Amen.

die fusswaschung