Predigt zum 2. Sonntag der Passionszeit

Michael Schwarzkopf // 2016-02-22 // Zurück zu den aktuellen Berichten

Matthäus 21,33-46

Sonntag Reminiszere

Gottesdienst in der Petrikirche am 21.2.2016

Predigt von Propst Michael Schwarzkopf

Liebe Schwestern und Brüder!

In der vergangen Woche traf sich die Synode unserer Kirche, das Kirchenparlament der lutherischen Kirche im europäischen Teil Russlands. Gemeinsam haben wir beraten, was die Kirche tun muss, um Gottes Wort allen Menschen zu sagen, um Menschen zu helfen, um Gottesliebe und Nächstenliebe zu verbreiten. Dabei gibt es unterschiedliche Vorstellungen und Interessen. Aber wir haben nur einen Maßstab, an dem die Ergebnisse der Synode zu messen sind: Bringen wir die Früchte des Gottesreichs?

Diesen Maßstab gibt das Matthäusevangelium in seiner Version des Gleichnisses von den bösen Weinbauern. Sie haben alle Boten des Weinbergbesitzers missachtet und schließlich sogar seinen Sohn getötet. Deshalb, sagt Jesus seinen Zuhörern aus Jerusalem, wird euch das Reich Gottes weggenommen und denen gegeben, die seine Früchte bringen. Im Gleichnis sind das die Früchte des Weinbergs. Der Weinberg ist ein Bild für die Welt Gottes und für die Menschen, die darin leben und arbeiten.  Die Früchte ihrer Arbeit, ihr Wohlstand sind die Früchte, die wir eigentlich Gott verdanken - weil er uns den Weinberg, die Erde gegeben hat. Der Weinberg als Gottes Reich verstanden kann auch die Kirche bedeuten. Die Früchte unserer Arbeit in der Kirche sind Gottes Geschenk - eine freundliche Gemeinde, in der Kinder, Erwachsene, alte Menschen sich wohlfühlen, in der ein angenehmer Saal zum Hören auf Gottes Wort einlädt, gute Kirchenmusik. Alles dies hat Gott möglich gemacht.

Wir können uns über die Früchte des Weinbergs freuen. Aber sie gehören uns nicht. Sie gehören Gott, wie unsere ganze Kirche. Er fordert sie von uns: Seine Kirche soll sein Wort verbreiten und seine Gerechtigkeit allen Menschen nahebringen - durch Taten der Nächstenliebe. Die entscheidende Frage der Synode vergangene Woche war also nicht, wer in der Kirche welchen Posten innehat, sondern, wie er auf seinem Posten Gottes Reich dient. Und die entscheidende Frage in der Petrikirche ist nicht, ob wir das Gebäude erhalten, und ob wir dazu eine Orgel brauchen oder nicht. Entscheidend für Gott, der auch der Herr dieses Weinbergs Petrikirche ist, wird sein, wie wir diese Gebäude und unsere Orgeln für die Verkündigung seines Wortes nutzen - gerade jetzt, wo unser Orgelprojekt gute Fortschritte macht. Und die Petrikirche soll ein Zuhause sein für alle, die Wärme des Herzens suchen oder unsere Hilfe brauchen. Diakonie ist so eine Frucht des Gottesreichs.

Liebe Schwestern und Brüder, lasst uns gute Weingärtner sein. Amen.

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