Gleichnis vom Sämann

Michael Schwarzkopf // 2016-02-01 // Zurück zu den aktuellen Berichten

 

Matthäusevangelium 13,1-13

Sonntag Sexagesimae - vorletzter Sonntag vor der Passionszeit

Gottesdienst in der Petrikirche am 31.1.2016

Propst Michael Schwarzkopf

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Wer Ohren hat zu hören, der höre!

Diese Worte von Jesus schließen sein Gleichnis vom Bauern ab, der auf viererlei Acker säte. Sicher, die Worte von Jesus zu hören, Gottes Wort zu hören, dafür kommen wir jeden Sonntag in die Kirche. Also ist das eigentlich eine überflüssige Ermahnung von Jesus? Ich denke, sie ist nicht überflüssig, sondern ernst: Jesus warnt uns – es kann sein, dass wir nichts hören, auch wenn wir jeden Sonntag in der Kirche sitzen: Denn sie sehen zwar, aber erkennen nichts; sie hören zwar, aber verstehen nichts.

Also lasst uns genau hören, was Jesus uns sagt. Was kann uns daran hindern? Gottes Wort kann bei uns auf der Oberfläche bleiben, so dass wir es nicht in unser Leben einlassen: Wir Körner, die auf den Weg oder auf den Fels fallen, ist es dann nur eine äußerliche Übung, sein Wort zu hören. Die anderen Wörter, die wir jeden Tag hören – freundliche und grobe, oberflächliche und tiefsinnige, Wörter die viel deutlicher und scheinbar wichtiger für das alltägliche Leben sind, verdrängen Gottes Wort. Es hat im Alltag keinen Platz und wird dann zum Sonntagswort, und unser Leben wird nicht mehr von ihm bestimmt. Wenn aber unser Leben nicht von Gottes Wort bestimmt wird, können wir nicht erkennen, wo Gottes Herrschaft in unserem Leben anfangen soll.

Es kann auch sein, dass wir Gottes Wort hören und beginnen, danach zu leben. Aber dann sehen wir, dass wir damit Schwierigkeiten bekommen. Die Dornen des schweren Lebens, die Sorgen um das tägliche Brot, der Zeitmangel ersticken unsere Gedanken, die ein Leben mit Gott angefangen haben. Hat das leise Wort Gottes eine Chance, in unserem Leben gehört zu werden, in unser Herz zu fallen? Irrt sich Jesus, als er meint, seine Jünger, also wir Christen, könnten schon in unserem Leben so gut hören und verstehen, dass Gottes Reich in unserem Leben anfangen kann?

Wenn wir diese Frage stellen, sind wir dem Ziel der Gleichnisses schon sehr nahe. Die Geschichte vom Bauern, die Jesus erzählt, sagt: Ja, Menschen können zuhören. Jesus erzählt so, dass wir in die Geschichte hineinwachsen. Wir gehen mit dem Bauern aufs Feld, das steinige, trockene Feld im alten Israel, noch nicht bewässert wie die Felder heute. Und wir sehen, wie er die Körner mit weiter Handbewegung wirft. So weit, dass einige auf den Weg, einige auf die Steine, aber viele auf das Feld fallen. Und dann sehen wir, wie Körner nicht aufgehen, und dann – wie sie wachsen, aber auch die Dornen wachsen. Und schließlich geschieht das Wunder: einige Körner werden doch zu großen Pflanzen, und sie geben genug Ernte zum Leben.

Durch seine Geschichten will Jesus uns an dieses Wunder heranführen. Er sät sie so freigebig aus wie der Bauer die Körner über das Feld streut. Gott fragt nicht danach, ob wir alle immer bereit sind, sein Wort zu hören. Das ist das erste Wunder – Gott gibt uns allen sein Wort, auch wenn er genau sieht, wie verschlossen unsere Herzen, wie dornenverwachsen unser Leben oft ist. Durch sein Wort sollen wir verstehen, dass es danach schon das zweite Wunder ist, wenn Menschen sich – wie heute wieder in der Petrikirche – öffnen für sein Wort und füreinander. Wenn Menschen sich die Hand reichen zum Gruß des Friedens und dann gemeinsam zum Altar gehen, um sich stärken zu lassen von ihm durch das heilige Abendmahl. Dann geschieht das dritte Wunder: Sein Wort und Sakrament geben uns Kraft, genug zum Leben. Amen.

 

 

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