Weihnachtspredigt

Michael Schwarzkopf // 2015-12-25 // Zurück zu den aktuellen Berichten

Lukas 2,1-20

Christvesper in der Petrikirche, 24.12.2015

Propst Michael Schwarzkopf

 

Liebe Schwestern und Brüder! 

Da liegt es, das Kindlein, auf Heu und auf Stroh. Maria und Joseph betrachten es froh. So haben wir gesungen. Und so sind wir mit Maria und Joseph dabei, das heilige Kind in der Krippe zu betrachten. Gewiss, unsere Betrachtung ist anders: Wir haben einen viel größeren Abstand, wir leben in einer anderen Zeit, und wir haben nicht die Nähe von Maria und Joseph zu diesem Kind.

Und doch betrachten wir es mit ihnen: Unser großer Abstand lässt uns erkennen, wie sehr dieses Kind in der Krippe unsere Herzen berührt, weil es so arm und schutzbedürftig dort liegt. Und wir erkennen, wie sehr wir selbst arm sind, arm im Geist, und wie sehr wir selbst Schutz brauchen, von Gott, unserem Vater.

Wir leben in einer anderen Zeit: Aber diese Zeit ist gesegnet, seit der Geburt dieses Kindes, denn diese Geburt ist ewig. Jedes Kind, das geboren wird, ist von Gott geboren. So ist es mit dem Kind, das wir selbst sind: Gottes Kinder wir alle, und wir freuen uns kindlich über das Geschenk der Heiligen Nacht, die alle unsere Nächte und Tage, alle Zeit erneuern will zu einem Fest der Liebe. 

Wir haben nicht die Nähe von Maria und Joseph, die sich über die Krippe beugen. Aber es ist, als wären unsere Namen diesem Kind zu Füßen gelegt, als liege es nicht in der Krippe, sondern schwebe, von unsichtbarem Band gehalten, über uns, um uns zu sagen: Ich bin dir nah, du Kind Gottes, und so kannst du mir nah sein in Glaube, Hoffnung, Liebe.

Wir begehen das Fest von der ewigen Geburt, die Gott der Vater hervorgebracht hat und ohne Unterlass in der Ewigkeit hervorbringt, während dieselbe Geburt jetzt in der Zeit und in der Menschheit sich ereignet. Diese Geburt geschieht immer. So sie aber nicht in mir geschieht, was hilft es mir dann? Denn dass sie in mir geschehe, daran liegt alles (Meister Eckhart).

Amen.

 

Geburtsikone